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Letztes Update: 26.11.2007

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Die mißglückte Dienstwagenfahrt


Aus meiner Schulzeit im damaligen RG III ab dem Jahre 1954 erinnere ich mich noch gut an das Gleis in der Drorygasse. Damals war die Gleisanlage, soweit sie im öffentlichen Straßenplanum lag, noch komplett vorhanden, so wie sie im Zweiten Weltkrieg wieder in Betrieb genommen worden war, ebenso die Fahrleitung, wurde aber nicht mehr benutzt. In den beiden Gleisen der Strecke 75 lagen Rechtsweichen in die Drorygasse, wo sich früher die beiden Bögen vereinigten. Diese Vereinigungsweiche wurde aber vermutlich bereits während des Zweiten Weltkriegs ausgebaut, sodaß nur mehr ein Anschluß an das Gleis 1 (Rechtsfahren) gegeben war. Der Betrieb spielte sich so ab, daß die Leerzüge aus Richtung Stadt kommend diese als Federweiche ausgeführte Abzweigung überfuhren und in die Drorygasse verkehrt hineinschoben.

Das Gleis in der Drorygasse verzweigte sich etwa bei der Hagenmüllergasse auf ein zweites parallelführendes Gleis, dessen Ende ich aber nicht mehr mit Sicherheit angeben kann. Möglicherweise neuerliche Vereinigung vor Einfahrt in das Werksgelände oder aber zweigleisige Einfahrt. Die Federweiche im Gleis 1 in der Erdbergstraße war zu diesem Zeitpunkt und auch noch einige Zeit danach voll funktionsfähig, was wir in der wärmeren Jahreszeit bei offenen Fenstern in den Klassenzimmern deutlich hören konnten. Die Weiche im Gleis 2 hingegen war in der Geraden verkeilt. Gleissperrsignale waren damals keine angebracht.

Aus diesen Gegebenheiten ist auch der Unfall im Zeitraum zwischen Mai und Oktober 1953 erklärbar, wenn auch keinesfalls zu entschuldigen. Damals war es durchaus gängige Praxis bei nächtlichen Gleisarbeiten wie Schweißen o. ä. mit dem Dienstwagen eben auf dem falschen Gleis zu fahren, um dann nach Passieren des Hindernisses bei der nächsten Gelegenheit (Parallelweiche, Schnürstelle) wieder auf das richtige Gleis zu kommen.
In dieser Nacht war ein Triebwagen der Reihe B, die damals noch in Vorgarten stationiert war und der sich zum Räderschleifen in Erdberg befand, in seinen Heimatbahnhof zu überstellen. Der Dienstwagen aus VRG war informiert und sollte den Tw am Kai übernehmen. Der B-Tw wurde von einem "Lenker" (so die damalige Bezeichnung für G- oder G1-Tw, wenn er Kobelverglasung hatte auch "Aquarium") geschleppt. Da auf dem Gleis 2 kurz nach der Lechnerstraße Schweißarbeiten im Gange waren fuhr man über die alte Ausfahrt des Bahnhofs ERB zwischen den Hallen 1 und 4 in die Erdbergstraße und über die anschließende Parallelweiche auf das (falsche) Gleis 1.

So kam es wie es kommen mußte, niemand dachte an die Federweiche bei der Drorygasse und so landete der Zug entgleist im Eckhaus Drorygasse-Erdbergstraße. Erheblicher Sachschaden und einige aus dem Schlaf unsanft geweckte Hausbewohner waren die Folge.